Warum Bollywood-warum Indien?

Die Geschichte meiner Leidenschaft und Liebe für Indien und Bollywood begann im Jahr 1979 als ich gerade mal 10 Jahre alt war. Dazu muss ich sagen, ich bin in Rumänien geboren und bis zu meinem 15-en Lebensjahr dort aufgewachsen. Als „ausländische“ Filme wurden dort überwiegend indische Klassiker gezeigt.

Eines Tages nahm mich meine Mutter mit ins Kino, es lief ein neuer indischer Film. Und dieser Film prägte mich für mein ganzes Leben. Es war „Yaadon Ki Baarat“. Ich kann mich daran noch genau erinnern, als ob es erst gestern gewesen ist. Anfangs wunderte ich mich warum meine Mama Taschentücher mitnahm, schließlich wollten wir uns einen Film ansehen.
Nach dem Film war ich klüger, und ich bin mir sicher dass ich mehr Taschentücher verbraucht habe als meine Mutter. Es verging keine Woche wo ich nicht mindestens einmal ins Kino ging, es war mir egal ob ich einen Film zum zehnten Mal gesehen habe. Die damaligen Superstars waren Raj Kapoor, Dharmendra und Amitabh Bachchan. Ich liebte die Musik, die schönen glitzernden Saris der tanzenden Mädchen, die schön geschminkten Frauen, die Helden, die komischerweise weinten und auch Gefühle zulassen dürften. In diesen 4 Stunden war ich in meiner eigenen kleinen Welt. Für 4 Stunden war ich in meinem Traumland umgeben von Tanz, Gesang, Liebe, Trauer, Sehnsucht und Freude. Diese 4 Stunden gaben mir die Möglichkeit die bittere Realität da draußen zu vergessen. Ich versuchte alles über Indien herauszufinden, den ich wollte mehr über das Land, seine Kultur, die Sprache, Gesten und Bräuche wissen. Es war ziemlich schwierig, denn die Bibliothek hatte gerade mal zwei Bücher über Indien da, die ich in zwei Tagen regelrecht verschlungen habe. Ich hatte Glück mit meinem Geschichtslehrer. Rein zufällig kamen wir im Unterricht über das Land zu sprechen, und ich hörte einfach nicht auf ihn mit Fragen zu bombardieren, bis der arme Kerl auch mit seinem Latein am Ende war. Als er mir in der nächsten Unterrichtstunde drei Bücher zum Lesen gab, fiel ich ihn vor Freude falls um den Hals. Es war ein Buch über Mahatma Gandhi, eins über Mutter Theresa und eins wo eigentlich alles drin stand was ich schon immer wissen wollte: Das Kastensystem, das Land an sich, die verschiedenen Sprachen der jeweiligen Regionen, die Sehenswürdigkeiten und ganz groß abgebildet das Taj Mahal.

Umso größer war meine Enttäuschung als wir nach Deutschland kamen und ich feststellen musste, dass da absolut keine indischen Filme zu sehen waren. Überall in den Videotheken wo ich nachfragte, wurde ich angesehen als käme ich von einem anderen Stern. So ließ ich mir was einfallen, und ob ihr es glaubt oder nicht ließ ich mir teilweise aus Rumänien von der Verwandtschaft indische Filme auf VHS Kassetten schicken. Die dachten sich damals, das arme Mädel hat ein Schlag, aber das war mir so was von egal.
Einige Jahre später war das Internet meine Rettung. Ich fand genügend Seiten wo man sich mit Filme und Lektüre eindecken konnte. Es war mir egal ob nun die Filme auf Hindi waren oder mit englischen Untertiteln (natürlich bevorzugte ich das letztere), aber was tut man nicht alles um seine Sehnsucht zu stillen.

Ich staunte nicht schlecht als 2003 plötzlich „Kabhi Khushi Kabhie Gham“ im dt. Fernsehen ausgestrahlt wurde. Zuerst dachte ich, dass wäre ein Strohfeuer, ein Modehit, und es würde nur bei dem einen Film bleiben. Nun werden die Bollywoodfilme immer mehr, die Fangemeinden immer größer, ein Forum nach dem anderen schießt aus dem Nichts, die Nachfrage wird immer größer, die Tanzstudios bieten Bollywooddance an, die Teenies und sogar erwachsene Frauen flippen aus bei Namen wie Shahrukh Khan, Zayed Khan usw.; und man staune – in den Videotheken wird man nicht mehr als Alien betrachtet wenn man nach Bollywood fragt, man wird sogar gleich in die Bollyabteilung verwiesen.
Ich habe das schon seit meiner Kindheit gewusst, was Deutschland erst 2003 erfahren durfte:
„Bollywood macht einfach glücklich“!!!!!!!

Und ich hoffe immer noch dass sich mein Kindheitstraum eines Tages erfüllt – einmal nach Indien zu reisen! denn wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

eure Manu